George Soros
George Soros
Jugend
Er wurde als Sohn des Esperanto-Schriftstellers Tivadar Soros in Budapest
geboren. Ab 1936 trug er den magyarisierten Namen György Soros [ˈɟørɟ
ˈʃoroʃ] (vorher Schwartz). Trotz der jüdischen Herkunft seiner Familie
überlebte Soros die Besetzung Ungarns durch das nationalsozialistische
Deutschland und die Schlacht um Budapest. Sein Vater hatte sich selbst und
seinen Sohn über Monate hinweg versteckt, unter anderem im Sommerhaus
der Tänzerin Elza Brandeisz in Balatonalmádi;[2] darüber hat sein Vater ein
Buch auf Esperanto geschrieben, „Maskerado ĉirkaŭ la morto“, das auch auf
Englisch erschienen ist.[3] In seinem Elternhaus gingen Esperantisten ein und
aus; so lernte auch George Soros Esperanto. Soros nahm mit seinem Vater
am Esperanto-Weltkongress in Bern teil. Von dort aus reiste er weiter zum
Esperanto-Jugendweltkongress nach Ipswich in England; nach dem
Kongress emigrierte er nach England.
Soros studierte an der London School of Economics. Während er ein Schüler
des Philosophen Karl Popper war, arbeitete Soros als Bahnträger und Kellner
und erhielt einmalig 40 Pfund von einer Quäker-Wohltätigkeitsorganisation.
[6] Poppers Vorstellungen über eine offene Gesellschaft beeinflussten Soros
stark.[7] 1951 erlangte er den Bachelor of Science, 1954 schloss er sein
Studium mit dem Master of Science ab.
Karriere
Im Jahr 1954 begann Soros seine Finanz-Karriere bei der
Handelsbank Singer & Friedlander in London. Er arbeitete als Angestellter
und wechselte später in die Arbitrage-Abteilung um. Ein Mitarbeiter, Robert
Mayer, schlug ihm vor, sich beim Maklerhaus seines Vaters, F.M. Mayer, in
New York zu bewerben.
1956 zog er nach New York und übernahm 1968 einen Investmentfonds
(Hedgefonds) in Curaçao.[4] Auch seine späteren Quantum Funds, die er
gemeinsam mit Jim Rogers gründete, haben ihren Sitz in Offshore-
Finanzzentren wie den Niederländischen Antillen und den Jungferninseln.
1988 erzielte Soros mit dem Kauf und Verkauf von Aktienpaketen der
französischen Großbank Société Générale rund 2,2 Millionen US-Dollar
Spekulationsgewinn. Die Transaktion erregte zunächst kein Aufsehen. 2006
wurde er von einem französischen Gericht in letzter Instanz für schuldig
befunden, von vertraulichen Informationen profitiert zu haben, und
wegen Insiderhandels zu einer Geldstrafe in Höhe seines mutmaßlichen
Gewinns verurteilt.[9] Seine im Dezember 2006 eingereichte Beschwerde
beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte[10] scheiterte im Oktober
2011.
Sein Vermögen wird vom Forbes Magazine in seiner 2016er Liste der
Milliardäre auf 24,9 Milliarden US-Dollar geschätzt. Er ist damit auf Platz 23.
Spekulationsgeschäfte als Vorhersagen
In der Öffentlichkeit werden Soros’ Thesen breit diskutiert. Bekannt wurde
Soros unter anderem am 16. September 1992, dem „Schwarzen Mittwoch“,
als er in der Überzeugung, das Pfund Sterling sei überbewertet, massiv
gegen diese Währung handelte. Dazu tauschte er geliehene Pfund in andere
europäische Währungen, hauptsächlich Deutsche Mark und Französische
Franc.
Im Juni 1993 spekulierte Soros gegen die Deutsche Mark. Soros verkündete
seine Absicht, in großen Mengen Wertpapiere der Bundesrepublik
Deutschland zugunsten französischer Wertpapiere abzustoßen. In einem
Interview forderte er: „Down with the D-Mark!“
Soros stellt seine offenen Spekulationen in einen politischen Zusammenhang.
So erklärt er, dass die bestehenden Rahmenbedingungen für
Spekulationsgeschäfte eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung in vielen
unterentwickelten Ländern gefährden. Während der Asienkrise (1997/98)
wurde Soros vom damaligen malaysischen Premierminister Mahathir bin
Mohamad für die Finanzkrise verantwortlich gemacht. Er verwahrte sich
gegen die Vorwürfe (beispielsweise in seinem Buch Die Ära der
Fehlentscheidungen). Nach einem persönlichen Gespräch zwischen den
beiden nahm Mahathir 2006 seine Vorwürfe zurück.
Angesichts der sich anbahnenden Finanzkrise, die er frühzeitig als Vorbote
einer Rezession in den Vereinigten Staaten ansah, kehrte er 2007 ins
spekulative Geschäft zurück[16] und erzielte mit seinem Quantum Endowment
Fund im selben Jahr eine Rendite von 32 Prozent, was ihm 2,9 Milliarden US-
Dollar einbrachte.
2008 war Soros mit einem Einkommen von 1,1 Milliarden US-Dollar der
bestbezahlte Hedgefonds-Manager. In den zwölf Monaten bis Juli 2009 stieg
die Gesamtsumme des durch seine Investmentfirma Soros Fund
Management verwalteten Vermögens um 40 Prozent auf 24 Milliarden US-
Dollar.
Als Grundlage für seine Erfolge an der Börse sieht er seine „Theorie der
Reflexivität“, die er in seinem Buch Alchemie der Finanzen (1988) beschreibt.
Diese Theorie beschreibt die Entstehung einer Diskrepanz zwischen
wahrgenommener und tatsächlicher Realität und bezieht sich auf Karl
Popper (1902–1994), einen seiner ehemaligen Professoren.
Privatleben
1960 heiratete Soros die vier Jahre jüngere, deutschstämmige Annaliesa
Witschak, mit der er zwei Söhne (* 1963, * 1970) und eine Tochter (* 1965)
hat. 1983 wurde die Ehe geschieden.
Im selben Jahr heiratete er die 24 Jahre jüngere, deutsch-jüdische
Amerikanerin Susan Weber. Zwei Söhne (* 1985, * 1989) entstammen der
Ehe, die 2005 geschieden wurde.
2013 heiratete er die 42 Jahre jüngere Tamiko Bolton.[21]
Soros hat mehrere Wohnsitze: in Southampton (Hamptons, Long Island) hat
er ein feudales Anwesen und ebenso in Bedford (Westchester County).
Ehrungen
• Soros hat die Ehrendoktorwürden
◦ der New Yorker Universität The New School,
◦ der Universität Oxford (1980),
◦ der Wirtschaftshochschule Budapest und
◦ der Yale-Universität (1991) erhalten.
• 2012 wurde er mit dem Adam-Smith-Preis der National Association for
Business Economics (NABE) ausgezeichnet.
• 2017 wurde er zum Ehrenmitglied der British Academy ernannt.[23]
• 2019: Schumpeter-Preis[24]
• 2019: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land
Wien[25]
Philanthropisches und politisches Engagement
George Soros (links) und James H. Billington (2001)
Seit den 1970er Jahren tritt Soros als Philanthrop in Erscheinung. Als
Gründer, Förderer und Vorsitzender der Open Society Foundations, die er
1993 ins Leben rief, und der Soros Foundation half Soros schwarzen
südafrikanischen Studenten, die University of Cape Town zu besuchen, und
unterstützte die Central European University finanziell. Als 1996 in den
Vereinigten Staaten Gesetze verabschiedet wurden, die die staatliche
Wohlfahrt, aber auch Rechtshilfe insbesondere für Immigranten beschnitten,
stiftete Soros in den kommenden Jahren einen Fonds von 50 Millionen US-
Dollar, um dieser Bevölkerungsgruppe zu helfen. Mit seiner Förderung der
Idee der „offenen Gesellschaft“ nimmt Soros Bezug auf ein Konzept von Karl
Popper. Die Gesamtsumme seiner Spenden wurde 2007 von Time auf 6
Milliarden US-Dollar geschätzt.[26]
Auf die US-Politik hatte Soros viele Jahre lang keinen Einfluss zu nehmen
versucht. Unter Präsident George W. Bush machte er es aber zu seinem
erklärten Ziel, dessen Wiederwahl zu verhindern. Hierzu spendete er
insgesamt 23,5 Millionen US-Dollar an linksgerichtete Bewegungen sowie
Gruppen wie MoveOn.org.[27] In der heißen Phase
des Präsidentenwahlkampfs 2004 trat er mit öffentlichen Reden gegen Bush
auf; in ihnen erklärte er, während der Krieg in Afghanistan gerechtfertigt
gewesen sei, sei der Irakkrieg ein katastrophaler Fehler gewesen.[28] 2008
resümierte er in einem Interview, dass „Krieg gegen den Terror“ ein
irreführender Begriff gewesen und dieser für einen beispiellosen Niedergang
des politischen Einflusses und der militärischen Macht der USA
verantwortlich sei.[29]
Er spielte eine wichtige Rolle bei den politischen Prozessen in Osteuropa, die
1989/91 zum Zusammenbruch des Ostblocks führten, und war nach eigener
Aussage „aktiv an der Revolution beteiligt, die das Sowjetsystem
hinwegfegte“.[30] Bereits seit 1979 unterstützte der gebürtige Ungar
osteuropäische Dissidenten mit drei Millionen US-Dollar pro Jahr, darunter
die Gewerkschaft Solidarność in Polen, die Bürgerrechtsbewegung Charta
77 in der Tschechoslowakei und den Dissidenten Andrei Sacharow in der
Sowjetunion. 2003 wurde ihm vom Journalisten Neil Clark in einem Artikel für
die britische Wochenzeitung New Statesman vorgeworfen, er habe in den
1990er Jahren mit seiner Unterstützung des Senders B92 und anderer
Oppositionsgruppen in Serbien die Bundesrepublik Jugoslawien auch aus
eigenen Geschäftsinteressen heraus destabilisiert. Clark bezeichnete Soros
als „ungekrönten König von Osteuropa“.[31] Auf der anderen Seite wurde ihm
1997 im Forbes Magazine vorgeworfen, den Machterhalt von Altkommunisten
zu fördern.[32] 1998 wurde Soros in die American Academy of Arts and
Sciences und 2009 in die American Philosophical Society[33] gewählt.
Soros finanziert über die Soros Foundation die
Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen[34] und über die Open
Society Foundations das Internationale Netzwerk investigativer
Journalisten (ICIJ).
Als eines seiner bevorzugten Projekte bezeichnet er 2006 die Initiative
mehrerer Nichtregierungsorganisationen, den Ressourcenfluch durch
Offenlegung von Lizenzgebühren, Abgaben und Einkünften zu überwinden.
[36] Außerdem befürwortet er die Nutzung
der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds zur
Entwicklungsfinanzierung,[37] eine Idee, die von der Global Marshall Plan
Initiative aufgegriffen wurde.
Im April 2007 äußerte sich Soros in einem Beitrag für die New York Review
of Books kritisch über den tiefgreifenden Einfluss („pervasive influence“)
des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) auf die US-
amerikanische Außenpolitik und erklärte, die engen Verbindungen der
Regierung Bush mit Israel seien Hindernisse für einen Friedensvertrag
(„peace deal“) zwischen Israel und den Palästinensern.[38]
Soros ist der Ansicht, dass die Deregulierung der Finanzmärkte aufgrund
ihrer potenziellen Instabilität ein Fehler war, der die Finanzkrise ab
2007 ausgelöst hat. Verantwortlich für diese Maßnahme sei eine
„marktfundamentalistische“ Ideologie gewesen, die seit Ronald
Reagan und Margaret Thatcher zu einer beherrschenden Kraft geworden sei.
Diese lasse außer Acht, dass „Finanzmärkte kein Gleichgewicht anstreben“,
[39] und beruhe auf einem ähnlichen Denkfehler wie der Marxismus.[30] Es habe
sich über ein Vierteljahrhundert hinweg eine „Superblase“ aufgebaut, die nun
platze, erklärte er im Frühjahr 2008.[15][18]
Im Oktober 2009 kündigte Soros bei einer Konferenz in Kopenhagen an, eine
Milliarde US-Dollar in erneuerbare Energien zu investieren.[40] Außerdem rief
er ein Climate Policy Initiative (CPI) genanntes Forschungsnetzwerk ins
Leben. Dieses soll die Auswirkungen der
bisherigen Klimaschutzmaßnahmen untersuchen und wird von Soros für zehn
Jahre mit jeweils 10 Millionen $ unterstützt. Die deutsche Zweigstelle ist
am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin angesiedelt.
Er ist Mitinitiator des Ende Oktober 2009 gegründeten Institute for New
Economic Thinking (INET), das neue Denkansätze für
die Volkswirtschaftslehre entwickeln soll, und unterstützt das Projekt mit 50
Millionen US-Dollar.
Im August 2010 versprach Soros zudem, etwa 7 Mrd. US-Dollar seines
Vermögens zu Gunsten der Kampagne The Giving Pledge zu spenden. Die
Initiative wurde im Juni 2010 von Bill Gates und Warren Buffett ins Leben
gerufen, um US-amerikanische „Superreiche“ dazu zu bewegen, mehr als die
Hälfte ihres Vermögens an wohltätige Zwecke zu spenden.
Im Oktober 2010 spendete Soros 1 Million US-Dollar für eine Marihuana-
Legalisierungskampagne in den USA. In Kalifornien unterstützt seine Spende
den parallel zu den US-Kongresswahlen stattfindenden
Volksentscheid California Proposition 19 am 2. November. Das Bündnis setzt
sich dafür ein, dass Kalifornier, die mindestens 21 Jahre alt sind, rund 28
Gramm Marihuana für den persönlichen Gebrauch besitzen, Cannabis in
kleinen Mengen anbauen und beides legal rauchen dürfen. So könne sich die
Polizei auf „schwerwiegende Verbrechen“ konzentrieren.
Ebenfalls von ihm finanziert wurde Jose Antonio Vargas’ Initiative Defining
American.
Im Oktober 2017 wurde bekannt, dass Soros rund 18 Milliarden Dollar und
damit den größten Teil seines Vermögens an die Open Society
Foundations übertragen hat. Damit ist die Stiftung die zweitgrößte hinter
der Bill & Melinda Gates Foundation.
Soros finanzierte 2017 die Anti-Brexit-Kampagne der Gruppe Best for
Britain mit 400.000 Pfund[47] und ergänzte diese Zahlung 2018 um weitere
100.000 Pfund.
Im Oktober 2018 spendete Soros zwei Millionen US-Dollar an die Wikimedia
Foundation.
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